Gefälschte Game Boy Spiele – Und wie man sie erkennt

Viele von uns kennen das: Irgendwann ereilt uns mal ein Retro-Flashback. Sei es um der „guten alten Zeit“ willen, oder um den eigenen Kindern zu zeigen, dass man damals auch ohne Touchscreen und Angrybirds zocken konnte. Für die meisten, die jetzt so zwischen 25 und 50 Jahren alt sind, bedeutete das: GameBoy!

Man begibt sich also zum Trödelmarkt oder Online-Auktionshaus seines Vertrauens und fängt an zu stöbern. Glücklich darüber vielleicht ein Schnäppchen geschossen zu haben, stellt sich leider allzuoft Ernüchterung ein, wenn das Spiel (von Außen) nicht so schön aussieht wie in der Erinnerung, oder auf einmal das Spiel anfängt abzustürzen. Grund dafür sind leider häufig sogenannte Bootlegs, oder um es beim Namen zu nennen: Fälschungen. Damit ist hier nicht Homebrew-Software gemeint, also Spiele die lange nach der Gameboy-Ära auf umgeflashten Modulen rauskamen oder Spezialsoftware, um einen Gameboy bspw. als Audio-Synthezizer zu benutzen. Ich rede von irgendwelchen China-Buden, die vor allen Dingen Pokémon und Zelda-Spiele raubkopieren und in Massen auf eBay verscheuern. Es gibt kaum mehr Fälschungen von Modul-basierten Konsolenspielen als die für die Nintendo-Handhelds (egal ob Game Boy oder DS/3DS). War das Phänomen Raubkopie für Nintendo-Konsolen doch bis dahin relativ vernachlässigbar, gab es mit den Game Boy spielen einen regelrechten Boom an Bootlegs aus Fernost.

Nun ist es aber so, dass der Großteil derjenigen, die heutzutage Gameboyspiele kaufen, dies entweder aus nostalgischen Anwandlungen oder aus Sammelleidenschaft tun. In beiden Fällen sind Fälschungen schlicht nicht akzeptabel, da sie qualitativ und oft auf funktional eine einzige Zumutung sind. Die größte Hürde dabei ist, die Fälschungen auch als solche zu erkennen, was schwieriger ist, als man zunächst annimmt, da auch die Fakes immer besser werden, aber wenn man weiß, worauf man achten muss, ist es gar nicht so schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen…

Verwendete Abkürzungen:

  • GB – Game Boy
  • GBC – Game Boy Color
  • GBA – Game Boy Advance
  • Cart/Cartridge/Modul – Das Spielmodul als solches
  • PCB – Printed Circuit Board – Die Platine des Spielmoduls
  • GBP – Game Boy Printer – Ein Drucker für den Gameboy
  • GBCam – Game Boy Camera – Ein Spielemodul mit Digitalkamera dran
  • Fake/Fälschung/Bootleg/Knock-Off – Alles Synonyme für Ein und das Selbe

Um eine Fälschung erkennen zu können, muss man auf Details achten, darum habe ich mich auch bemüht, meine Fotos in möglichst hoher Qualität einzubinden. Auf jedes Foto kann man draufklicken für die volle Auflösung, um sich alle Details ansehen zu können.

Spiele kaufen/tauschen/handeln

Zunächst sehen wir uns mal die Bezugsquellen von gebrauchten Modulen an. Wir hätten da auf privater Seite einmal eBay/eBay Kleinanzeigen und Trödelmärkte, auf gewerblicher Seite müssen wir etwas mehr differenzieren. Trödel und eBay sind auch bei Händlern beliebt, ausserdem gibts dann noch Webshops die auf Retrogaming spezialisiert sind sowie die ganzen Chinatrader auf eBay, welche schon eine Kategorie für sich sind.

Machen wir uns also eine Liste, wie viele Fälschungen uns so auf 100 verkauften Spielen so erwarten dürften (etwaige Erfahrungswerte):

  • eBay (Private Verkäufer): 1-5%
  • eBay (Gewerbliche VK)/Webshops: ~5%
  • eBay (Deutsche Artikelseite aber Versand aus China/Singapur/UK/…): >95%
  • Trödelmarkt (Private Verkäufer): ~1%
  • Trödelmarkt (Händler, vorwiegend aus An-u.Verkaufs-Shops): ~5%
  • Retrobörsen (Vorwiegend Händler und Sammler): <1%
  • Foren – Schwierig. Zum Einen die digitale Version einer Retrobörse, zum Anderen wie eBay ohne Käuferschutz. Hier macht jeder unterschiedliche Erfahrungen

Hier sieht man ganz klar: Bei privaten Verkäufern lohnt es sich noch am meisten; nicht nur weil man hier auch vernünftige Preise erzielen kann, sondern weil der Bestand meist aus der Kindheit der Verkäufer kommt und dementsprechend halt fast immer Originale sind. Wenn hier mal eine Fälschung bei ist, dann nur durch Zufall, grade auf Trödelmärkten. Anders siehts aus beim „Türken, mit An- und Verkauf-Laden“, der sich auch auf Flohmärkten rumtreibt (ich weiß, das ist ein Klischee, aber grade in NRW/im Ruhrpott ist das halt einfach wirklich so). Die sind nicht nur total überteuert (wenn die Pokémon, Super Mario oder Zelda lesen, verdreifachen die gleich mal den Preis), sondern lassen auch keinen Cent mit sich handeln. Man sollte meinen, das Feilschen gehört zur Kultur in den Ländern des mittleren Ostens, aber nun gut.

Dazu kommt, dass diese „Händler“ keinerlei Ahnung von dem haben, was sie da verkaufen. Die Spiele sind oft in einem ranzigen Zustand, werden schlecht gelagert, sind oft extrem hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, und trotzdem wollen sie alle Mondpreise dafür. Mit extrem hohe Luftfeuchtigkeit meine ich dass der Krempel morgens um 6 auf dem Trödel vom warmen Auto ins kalte, morgendliche Tautropfenklima umgelagert wird, ohne die Sachen eingepackt sich etwas zu akklimatisieren zu lassen. So kommt es schon mal vor, dass man ein Spiel hochhebt, und es tropft (!!). Von sowas lässt man dann besser die Finger. Das betrifft allerdings alle Elektronik-Artikel, Datenträger und auch Kamera-Equipement, vor allem Objektive. Händler, die sich bei ihrer Ware auskennen, wissen das und lassen den Kram eingepackt, bis es etwas wärmer ist, oder sorgen auf andere Weise dafür, dass nicht gleich beim Auspacken der Temperaturunterschied so groß ist, dass sofort Wasser darauf (oder darin) kondensiert. Bei solchen Händlern kauft man eigentlich besser nicht, es kommt aber durchaus vor, dass sich grade in diesen Sortimenten echte Perlen im Sinne von Raritäten befinden, die man dann für 3-5€ mitnehmen kann, und das heillos überteuerte Pokémon-Spiel besser liegenlässt.

Bei eBay kommt es ganz klar drauf an, von wem man kauft. Bei privaten Verkäufern sowie bei dedizierten Retroshops kriegt man eigentlich immer Originale, aber natürlich rutschen denen auch durchaus häufiger schon mal Fälschungen durch, wobei die meisten Händler schlechte Fälschungen recht schnell und zielsicher aussortieren. Problematisch ist, wenn der Händler – wenn sie denn mal wirklich eine Fälschung verschickt haben – keinen richtigen Support bietet, sondern nur automatisierte Mails auf Anfragen zurückkommen. Dann hilft nur vom Kauf zurücktreten und schlecht Bewerten – Fernabsatzgesetzt sei Dank. Das ist mir auch schon so passiert. Zumindest habe ich deswegen nun Nahaufnahmen einer gut gemachten Fälschung, und nicht nur von solchen, die man auf den ersten Blick erkennt.

China-Trader verkaufen fast nur Fälschungen. Meist ist dann die Artikelseite in mehr oder weniger gutem Deutsch aber der Versand erfolgt aus China, Singapur oder sonstigen Fernost-Ländern. Auch Osteuropa, Kanada oder UK sind als „Herkunftsländer“ beliebt. Hier kauft man besser nicht; oft erkennt man die Fälschung schon auf den Bildern recht sicher, wenn es sich nicht sowieso um ein Symbolbild handelt.

Auf Börsen und speziellen Retroevents ist der Anteil an Fälschungen verschwindend gering, oder sie sind gar direkt als solche ausgewiesen, es gibt ja durchaus auch Menschen, die kreative Fälschungen sammeln, als Zeitdokument quasi, oder um Artikel wie diesen hier zu schreiben ;-). Hier ist es hier in der Regel kein Problem, dass man mal ein Spiel aufschraubt, um sich zu vergewissern. Darum ist es beim Börsenbesuch immer praktisch, Werkzeug für die Spezialschrauben der Module dabei zu haben. Nur Schnäppchen sind hier nicht so leicht zu finden wie z.B. auf eBay, aber keineswegs unmöglich. Auch tauschen viele Leute auf den Börsen gerne.

Bei allen Handelsformen mit direktem, persönlichem Kontakt, ist es immer sinnvoll, einen eigenen Gameboy dabeizuhaben, um Spiele testen zu können. Viele der lohnenderen Spiele benutzten damals Batterien (Knopfzellen), um ihren Speicherstand zu erhalten. Flash-Speicher war früher einfach zu teuer. Die Batterien halten sehr lange (und laufen auch nicht aus, was gut ist), aber halt auch nicht ewig; 10 Jahre geht eigentlich locker, die hälfte der Spiele hält auch 20 Jahre durch und einige auch mehr als 30. Der Stromverbrauch durch die Erhaltung des Spielstandes ist so gering, dass dies vmtl. weniger Einfluss auf die Lebenszeit der Batterie hat, als andere Faktoren, wie z.B. wenn das Spiel über Jahre eingesteckt im Gameboy gelagert wird. Dann kann durch Kriechströme sich die Batterie über den Gameboy entladen. Etwas anders sieht es bei Spielen mit RTC (Echtzeituhr) aus, wie z.B. bei Pokémon Gold und Slber. Dort ist die Batterie deutlich schneller, meist nach 5, maximal 10 Jahren leer. Der Punkt ist, dass man vorher wissen will, ob eine Batterie im Spiel leer ist, denn das kann man als Argument für eine Preissenkung nutzen. Selber die Batterien tauschen ist nicht weiter schwierig, einfach ablöten und neue drauf, fertig. Das ist etwa 5 Minuten Arbeit. Knopfzellen – auch die mit Lötfahnen – sind nicht teuer, maximal 2,50€ pro Stück etwa, wenn man 10 oder so kauft. Wenn man den Spielstand einer zuneige gehenden Batterie erhalten will, muss man das im laufenden Betrieb tun, aber dazu vielleicht ein andermal.

Pokémon-Rubin für den GBA mit frisch getauschter Batterie

Wie erkennt man nun also Fälschungen?

Wir beziehen uns hier nur auf die Spielmodule selbst. Anhand der Umverpackung aus Pappe oder auch den typischen „Gameboy-Hüllen“ aus Kunststoff zum auf- und zuklappen zu bewerten ist hier nicht zielführend. Auch gehe ich nur auf Gameboy, Gameboy Color und Gameboy Advance Spiele (und ein paar Extrawürste) ein, und auch auch nur solche, die hierzulande wenigstens halbwegs üblich sind oder waren. Jeder der z.B. Japan-Importe oder Special-Editions sammelt, weiß eh, worauf man dann speziell dort achten muss, denn die japanischen Cartridges sehen z.T. anders aus als unsere.

Grundsätzlich besteht erst einmal jedes Gameboy-Spiel aus drei Dingen:

  • Hülle/Shell/Case/Gehäuse – Vorder- und Rückseite sowie eine Spezialschraube
  • Cover/Etikett – in Farbe und Bunt, manchmal auch in Glitzernd
  • PCB/Platine – Das eigentliche Spielmodul, je nach Spiel auch mit Batterie

der Einfachheit halber gehe ich auf jedes dieser drei Sachen einzeln ein, und auch getrennt nach verschiedenen Generationen von Hardware, welche da wären:

  • Gameboy-Classic Modul – „Das“ Gameboyspiel, grau und eckig

    Der Klassiker, wer liebt ihn nicht.

  • Hybrid-Modul – Gameboy Spiele, die – wenn im GameBoy Color geladen – ggf. Extra-Features haben. Sehen aus wie Classic-Module, sind aber i.d.R. nicht Grau, sondern mit Ausnahme der Pokémon-Spiele Schwarz. (Pokémon Gold/Silber-Spiele, sog. „DX„-Spiele, …)
  • Gameboy-Color Modul – Meist durchsichtig, etwas andere Form, nicht im „alten“ Gameboy oder Gameboy Pocket (und auch nicht im Gameboy Light) spielbar
  • Supreme Snowboarding für den GameBoy-Color. Übrigens eines der ganz wenigen Spiele ohne „Nintendo Seal of Quality“.

  • Gameboy-Advance Modul – „Kurze“ Spiele für den GBA, Dunkelgrau außer z.B. Pokémon-Spiele, die sind meist Bunt und/oder Teildurchsichtig. Unumwunden kann man sagen dass es hier die meisten Fakes (vor allen Dingen die besseren Fälschungen!) gibt

    Sieht super aus, ist aber leider eine Fälschung. Details dazu später im Text.

  • Pokémon-Spiele – Schon quasi eine eigene Kategorie, die Spiele gehören zwar je in eine der o.G. Kategorien, haben aber fast immer eine andere Gehäusefarbe. Von jedem Spiel der Hauptreihe gibt es Fakes! Vermutlich wurden keine Spiele so häufig gefälscht wie Pokémon-Spiele

    Teildurchsichtiges Gehäuse, Glitzerfolien-Cover-Aufkleber. Bei Pokémon-Spielen gibt man sich besondere Mühe gegen Fälscher.

     

  • Rumblepak-Spiele – Module mit kleinem Unwuchtmotor und extra AAA-Batterie für Vibration beim Spielen. Technisch fast alles GBC-Hybrid-Module. Nur eine Hand voll Spiele sind erschienen (Pokémon Pinball, Top Gear Rally, Perfect Dark,…)
  • Gameboy Camera – komplett eigene Bauform, technisch ein GB-Classic-Modul

    Links: Pokémon Pinball mit Rumble-Funktion
    Rechts: GameBoy Camera, Gelb, Deutsche Version

  • Nichtspiele-Spiele – Fischerei-Sonar, Medizinische Applikationen, Lernhilfen, Organizer, FM-Radios  – fast Alles entweder nicht frei verkäuflich und/oder in der EU erschienen, darum gehe ich hier auch nicht weiter drauf ein

Spiele, die es so nicht gab

Einer der einfachsten Wege festzustellen, ob es sich bei einem Spiel um eine Fälschung handelt ist, wenn es das Spiel so nie gab. Dazu zählen:

  • Multicarts – Module mit vielen Spielen auf einem Modul. Das reicht von 2 bis etwa 1000 Spielen (von denen dann aber viele Dubletten mit anderem Namen im Menü sind). Einzig sowas wie „4-in-1 Funpak“ (und Volume 2 davon) und die „Acarde Classics“ waren meines Wissens nach echte „Multicarts“, nicht aber „256 Games in 1“ oder dergleichen

    Klassische Fälschung als Multicart. Dieses Exemplar ist relativ einfach als Fälschung zu erkennen. Nicht zuletzt sind Oracle of Seasons und Ages reine Gameboy-Color-Spiele, haben hier also das falsche Gehäuse.

  • Falsche Veröffentlichung – Wenn ein Spiel, welches z.B. nur in der EU erschienen ist, eine ID für ein US-Spiel hat (grade für den deutschen Markt sind viele Spiele erschienen, wie z.B. „Die Maus“ [ja, die von der Sendung mit der Maus])

    „Germany Language“, aber US-ID und ESRB-Logo ohne Altersbeschränkung… wohl eher nicht.

  • Spiele für andere Systeme wie z.B. NES, SNES oder gar für Systeme von anderen Herstellern (Sonic Spiele oder dergleichen, die gab es erst vieeeel später für Nintendo Konsolen). Es gibt zwar Portierungen zwischen NES, SNES und GB, aber derer sind nicht so viele erschienen
  • Komplett andere Spiele – Ja auch sowas gibts, Spiele die es so nur als Fälschung gibt. Häufig sind das Irgendwelche Modifikationen von Jump’n’Runs wie z.B. Super Mario, wo der Hauptcharakter, Gegner oder Items ausgetauscht wurde. Sowas hat allerdings seinerseits schon fast Seltenheitswert

Game Boy Classic Spiele

Der Liebling der Massen seit 1989. jeder, der dies hier liest, dürfte schon mal Tetris oder irgendwas anderes gespielt haben auf einer der Iterationen des GameBoys. Diesen und viele andere Klassiker gibt es für den klassischen „Dot-Matrix-GameBoy“.

Das Cartridge-Gehäuse

Das klassische grau-eckige Gehäuse.

Ein Indikator ist natürlich die Farbe und die ist hellgrau; da es GB-Classic-Spiele aber nun mal schon seit 1989 gibt und viele Spiele einen sehr unterschiedlichen Grad an Vergilbung aufweisen können, kann eine Fälschung von der Farbe her deutlich näher am Original sein als ein anderes Originalspiel. Viel eher sollte man sich deshalb die Oberfläche des Gehäuses ansehen, denn das war im Original bei den erhabenen Flächen relativ grob texturiert, schlechte Fälschungen sind häufig einfach komplett glatt.

links: Fälschung mit falscher Schraube, glattem Plastik und zu heller Farbe
rechts: Original. Richtiges Grau und richtige Schraube

Auf der Rückseite gibt es an der Oberkante eine glatte Fläche, auf der „MADE IN JAPAN“ und darunter „PAT. PEND.erhaben eingeprägt ist. Bei Fälschungen gibt es oft nur die leere Freifläche. Auf der Rückseite etwa in der Mitte gibt es eine Spritzguß-Mulde; diese können verschieden aussehen, unterscheiden sich aber zwischen Original und Fälschung (Originalmulde ist meist kleiner); hier hilft eigentlich nur ein direkter Vergleich. Häufig ist es sogar so, dass die Mulde bei Fälschungen einfach nur Zierde ist, und die eigentliche Spritzgussmulde auf der Innenseite liegt. Die Griffmulde bei schlechten Fälschungen trägt nur den Schriftzug „GAME“ statt wie beim Original „Nintendo GAME BOY™.

Original

Fälschung

Zu den Schrauben komme ich weiter unten, aber Original GB-Spiele verwenden Spezialschrauben die etwa wie eine invertierte Version von TORX aussehen.

Original mit Spezialschraube…

…und das Falsche Konterfei.

Das Label

Das Label oder das Cover auf einem Modul ist ein Sticker, der (i.d.R. auf Hochglanzfolie, manchmal reflektiv) auf dem Modul prangt. Die Symbolik darauf folgt aber auch bestimmten Regeln, sehen wir uns also die verschiedenen Elemente an:

  • Coverbild – Da gibt es nicht viel zu sagen, das Coverbild identifiziert das Spiel und ist auf dem Cover die Hintergrundebene. Meist ist es halt das gleiche Cover-Art-Bild wie auf der Pappschachtel im Verkaufsregal

    Coverart von „QUARTH“ (gutes Spiel!)

  • Borde und ID – Bei Klassischen, Hybrid und GBC-Spielen gibt es links und rechts vom Coverbild je einen senkrechten, silberfarbenen (nicht Grau!) Steifen. Links findet sich die ID des Spiels (z.B. CGB-AXJP-EUR) und ein Hinweis auf das Herstellungsland. Die ID ist bei Fälschungen oft falsch (ID passt nicht zum Spiel, US-Version obwohl das Modul die deutsche Variante ist, etc..). Nach der ID zu googlen, bringt sehr oft Fälschungen ans Licht! Der Produktionscode setzt sich folgendermaßen zusammen: XXX-YY-ZZZ (X=System, z.B. DMG für den Classic „Dot Matrix GameBoy“, Y=Spiele-ID, z.B. „TR“ für Tetris und Z=Ländercode, für Deutschland ist das übrigens „NOE“ (Nintendo of Europe), für Europa „EUR“ und für die USA „USA„. Eine wirklick komplette Liste über das System der IDs und welche es alles gibt und welche nicht, habe ich leider nicht finden können, wenn da jemand mehr weiß, bitte melden. Ansonsten hilft im Zweifel halt nach einer ID googlen mit Bildersuche… Auf der rechten Seite des Covers befindet sich ein Hinweis darauf, dass dies die Seite ist, die beim Einstecken die Außenseite ist. Der genaue Wortlaut variiert, auch in welcher und wievielen Sprachen dies dort steht. Die Schriftart bei beiden Seiten ist normalerweise Serifenlos (also etwa Arial oder eine verwandte Schriftart). Nur eine Ausnahme habe ich davon bisher gesehen, und zwar „The Bugs Bunny Crazy Castle“, dort ist das „Made in Japan“ in einer Serifen-Schriftart (etwa wie Times New Roman). Ich will nicht aussschließen, dass es hier noch mehr Ausnahmen gibt.

    Es gibt immer irgendwo Ausnahmen, hier bei der Schriftart.

  •  Nintendo-Logo – Klassisch in Rot/Weiß, die Qualität des Logos ist sehr hoch, häufig weit besser als das restliche Label, sodass man meinen könnte, es wäre in einer anderen Druckstufe entsanden als der Rest. Vor allem bei der Schriftart (und manchmal bei der Rechtschreibung) wird hier bei Fakes gepatzt. Wenn das Spiel nicht von Nintendo selbst kommt, sondern von z.B. Atari, dann ist meist (natürlich leider nicht immer) ein „Licensed by“ über dem Nintendo-Logo zu finden, und das Logo des eigentlichen Studios mit auf dem Coverart abgebildet

    Das Nintendo-Logo sieht doch etwas fragwürdig aus… wie vieles Andere hier auch.

  • Seal of Quality – Das Siegel kommt in Gold daher; nicht Beige, nicht Grau, nicht Gelb, sondern Gold! Allerdings gibt es verschiedene Designs, je nach Region. In Deutschland ist das Siegel immer Kreisrund und beschriftet mit „Original Nintendo (das „Nintendo“ als Logo ausgeführt) Qualitäts-Siegel“.

    Frühe deutsche Version des Siegels.

    Später (ab etwa den GBC-Hybridspielen) wurde auch hierzulande wie z.B. in UK das englischsprachige Siegel verwendet („Seal of Quality“ statt „Qualitätssiegel“), aber diese Regel ist nicht ganz konsequent, Beides gibt es auch später wieder abwechselnd.

    Spätere Variante des Qualitätssiegels. Darunter das Nintendo-Logo in Rot.

    In den USA ist das Logo oval, warum weiß nur Nintendo, denn das sieht einfach falsch aus. Die Beschriftung dort ist „Official Nintendo Seal„, das „Nintendo“ wieder als Logo statt nur als Text, ist aber sonst gleich.

    US-Version, in diesen Fall von einem GBA-Spiel. Sieht zwar in oval komisch aus, ist aber dennoch korrekt so.

  • Feature-Badge – keine Ahnung wie diese Logos richtig heißen, aber auf älteren Spielen für den originalen GB gibt es oft, (aber natürlich nicht immer) ein schwarz-graues Logo, welches z.B. aussagt, ob das Spiel mittels Link-Kabel Multiplayer-tauglich ist, ob das Spiel zusätzliche Features im Super-GameBoy bietet, etc. . Allerdings ist dieser Logo-Typ relativ schnell wieder abgeschafft worden, und findet sich nur auf eher alten GameBoy-Titeln (wobei frühe japanische Titel das Logo nicht aufweisen zu scheinen). Auch die „Player’s Choice“-Neuauflagen von klassischen Titeln haben das Logo nicht mehr (gut zu sehen bei Super Mario Land). Die Player’s Choice Varianten habe ich aber hierzulande noch nie gesehen, sondern nur als US-Version. Das Logo zeigt oft eine Silhouette eines Kopfes in roten Konturen auf schwarzem Grund, oder etwa das Super-GameBoy-Logo stattdessen, je nach dem, was das Spiel kann

    Dieses Spiel (hier: Kwirk) ist mit Link-Kabel Mehrspielerfähig

  • ESRB-Logo – Viele Spiele sind nicht für alle Altersklassen gedacht. Auf solchen Spielen findet sich in der US-Version meist ein „ESRB“-Logo (US-Variante zur deutschen USK/FSK). Oft ist bei Fakes die falsche Einstufung aufgebracht, z.B. „E“ (ab 6 Jahren) bei DRIV3R für den GBA, im Original hätte das Spiel ein „T“ (ab 13 Jahren)

    Relevante ESRB-Ratings:
    E – Everyone; ab 6 Jahren geeignet)
    E10+ – Everyone 10 and older; ab 10 Jahren geeignet)
    T – Teen; ab 13 Jahren geeignet
    M – Mature; ab 17 Jahren geeignet

  • Fabrikstempel – Der vermutlich einzig harte Faktor überhaupt. Den habe ich bei Fälschungen noch nie gesehen, obwohl das gar nicht so kompliziert wäre. Der Stempel ist eine Prägung im Cover von der herstellenden Fabrik, und besteht aus zwei Zeichen, meist Zahlen (is vermutlich in hexdezimal, Buchstaben hab ich da selten, aber noch nicht in höher als „F“ gesehen). Dieses Kriterium ist sehr zuverlässig. Ich habe zwar schon ein-zwei mal ein Spiel gesehen, was ganz offensichtlich ein Original ist, und den Stempel nicht hat, aber das ist wirklich selten.

    Egal ob das Coverbild aus Glitzerfolie besteht….

    …oder ein Normales Cover ist…

    …den Fabrikstempel gibt es immer…

    …auch bei sehr, sehr alten Spielen…

    …egal wie abgeranzt das Cover ist, die Prägung kann man noch gut erkennen…

    …immer!

  • Allgemeine Verarbeitungsqualität – So banal es klingt, aber Original-Label sind meist sehr sauber ausgeschnitten, gerade aufgeklebt und haben ein sauberes Druckbild.

    Cover ist unten Bauchig ausgeschnitten und hat rechts eine harte Kante.

    Die Cover haben eine dünne durchsichtige Folie auf dem Cover, die leicht spiegelt und dafür sorgt, dass das Cover nicht so schnell abgegriffen wird. Fälschungen sparen normalerweise an Alledem. Wenn man ein Originalmodul zum vergleichen hat, sieht man auch, dass die Farben sich auch noch durchaus unterscheiden vom Original.

Sonderfall: Aftermarket-Label

Fairerweise muss man an dieser Stelle erwähnen, dass für sehr prominente Titel wie Pokémon oder Zelda-Spiele hochwertige Cover-Aufkleber existieren, die man z.B. auf eBay kaufen kann. Es gibt durchaus Sammler, die ein abgegriffenes Cover durch ein solches ersetzten. Ein seltsam anmutendes Cover ist also kein Garant für eine Fälschung, auch wenn die meisten, die sich die Mühe machen, ein Cover zu ersetzten, das am ehesten für die eigene Vitrine tun.

custom cover

Beispiel eines Aftermarket-Labels. Hier: Pokémon Gelb

Die Platine

Zunächst mal muss man sagen: Die Fälschungen funktionieren in aller Regel erst mal „normal“, man bekommt also nicht zwangsläufig mit, dass man eine Fälschung spielt. Die Batterien auf den Platinen der Fakes (oder die Beschaltung drumherum) sind allerdings meist so schlecht, dass heutzutage bei fast allen Fälschungen, vor allem aber bei den schlechteren die Batterie eigentlich immer leer ist, und auch eine Neue nicht besonders lange hält. Das alleine ist schon schlimm genug, denn die Batterien erhalten die Speicherstände. Wenn man ein Modul aufschraubt, sich die Platine anguckt und denkt: „So scheiße kann ein Originalspiel doch gar nicht aussehen“, dann hat man damit schon mal Recht, selbst wenn man keine Ahnung davon hat, wie so eine Platine aussehen soll. Die Fälschungen sehen z.T. so schlimm aus, dass sich weitere Überlegungen erübrigen. Generell kann man sagen, dass die Platine, die ja nun mal das eigentliche Spiel enthält, der mit Abstand aussagekräftigste Teil eines Spiels ist, wenn es darum geht zu beurteilen, ob man es mit einer Fälschung zu tun hat oder nicht.

Sehen wir und aber erst einmal die von außen sichtbaren Elemente der Platine an. Wenn man von unten in das (noch zugeschraubte) Modul schaut, sieht man eine Reihe von Kontakten. Zum guten Stil im Design elektronischer Steckverbindungen gehört es eigentlich, sogenannte „voreilende Kontakte“ zu benutzen, also dafür zu sorgen, dass die Metallzungen einiger Pins länger sind als andere, damit diese beim Einstecken zuerst verbunden werden. Bei USB ist das so, bei SATA ist das so, bei SD-Karten und eigentlich fast überall sonst auch. Für unsere Spiele dementsprechend auch (leider gibt es hier auch Ausnahmen, aber grundsätzlich benutzen alle Varianten von GameBoy und auch DS/3DS-Spielen hervoreilende Pins). Der Grund dafür ist, zuerst die komplette Spannungsversorgung, zumindest aber den GND (Ground) Pin anzuschließen, um eine gemeinsame Referenz zwischen den Komponenten zu schaffen. Die Datenpins werden dann zuletzt durchverbunden. Das hat den Vorteil, dass man die Datenleitungen schützt; zum einen vor statischer Elektrizität, zum anderen von Potentialunterschieden zwischen den Komponenten, denn wenn nur etwas zu viel Spannung an einer Datenleitung ankommt, die i.d.R. ungeschützt direkt am Chip hängt, ist dieser halt im Zweifel gleich hinüber und damit auch das gesamte Spiel. Fälschungen verzichten meist auf hervoreilende Pins, denn das macht ja extra Arbeit beim Platinenlayout. Manchmal sind die voreilenden Kontakte nur schlecht zu erkennen, da die etwas von den Einsteck-Furchen, also den Kontaktspuren durch das Ein- und Ausstecken überdeckt werden.

Gut zu erkennen: Voreilende Kontakte ganz links und ganz rechts.

Schrauben wir das Spiel nun also auf, schieben das Gehäuse auf und sehen weiter.

Gameboy-Spiele enthalten naturgemäß nur wenige Komponenten auf der Platine. Neben einigen passiven Komponenten wie Widerständen sind die Hauptkomponenten ein MBC (Memory Bank Controller, meist quadratisch), ROM (nicht-flüchtiger Speicher, enthält das Spiel), RAM (flüchtiger Speicher), eine Batterie (als Knopfzelle mit Lötfahnen, optional) und eine RTC (Echtzeituhr, z.B. bei vielen Pokémon-Spielen, optional). MBC und ROM haben alle Spiele, die anderen Komponenten sind eher komplexeren Spielen vorbehalten, z.B. jenen, die in der Lage sind, Spielstände zu speichern, oder uhrzeitabhängige Ereignisse auszulösen. Einfache Spiele, die nur MBC und wenig ROM enthalten, nutzen auch oft nicht die komplette Höhe des Gehäuses aus. Da es sehr viele unterschiedliche Designs der Platinen gibt, und auch durchaus im Detail sehr unterschiedliche Komponenten verbaut werden, ergibt es nicht viel Sinn darauf herumzureiten, viel eher kann man sich angucken, was man nicht erwarten kann, wenn man ein Spiel aufschraubt.

  • Durchkontaktierungen, also kleine Löcher um Vorder- und Rückseite elektrisch zu verbinden, sind bei Fälschungen oft direkt auf den Kontaktzungen zum Gameboy hin, und dann oft nicht in einer Reihe. Originale vermeiden das komplett

    Vorderseite von Pokémon Crystal. Wenige Bauteile, alles SMD und alles sehr sauber.

  • GameBoy Classic/Color-Spiele benutzen nur SMD-Teile, und keine BGA-Chips (BGA=Bauteile, dessen Kontaktpins auf der Unterseite statt am Rand verteilt sind). Auch bedrahtete Komponenten, die auf die Rückseite ragen werden nicht benutzt
  • Die Rückseite ist komplett glatt und frei von Bauteilen. Das Produktionsdatum ist hier mit eingeätzt
  • Auf der Rückseite laufen keine Leiterbahnen quer über die Fläche, wo sich auf der Vorderseite die Kontaktpins befinden

    Rückseite von Pokémon Crystal (GBC)
    gut zu sehen: Datumscode (09-2001), keine Bauteile auf der Rückseite und keine Leiterbahnen über die unteren ~15% der Fläche, wo die Kontaktpins auf der anderen Seite liegen.

  • Es werden bei Originalen nur in ganz ganz wenigen Ausnahmefällen (und soweit ich weiß nur beim NES und nich beim GameBoy) sogenannte „pottet Chips“ benutzt. Das sind (meist BGA-)Chips, die danach in einer Art schwarzem Harz eingegossen werden. Auf der Platine ist das dann hinterher einfach nur ein runder, schwarzer, erhabener Kreis. Fälschungen benutzen das – warum auch immer – ziemlich oft
  • Mit die einzigen Teile, die bei Originalen ggf. handgelötet sind, sind vor allem Batteriehalterungen wenn vorhanden
  • Auf Originalmodulen sind weder Chipnummern abgefräst, noch wurden die Platinen in Löt-Flux ersoffen

    Gefälschtes Zelda-Multicart.
    Flux überall verschmiert, verplombte Chips, Batteriehalter statt Lötfahnen, Chipbeschriftungen unkenntlich gemacht, und am schlimmsten: Durch Durchkontaktierungen zur Rückseite entstehen zwei voreilende Kontakte auf Datenleitungen. So Etwas kann ohne weiteres die CPU vom Gameboy zerstören. Außerdem fehlt das kleinere der Löcher in der Mitte für den kleinen Stift auf der Innenseite des Gehäuserückteils.

    …und die passende Rückseite dazu. Die durch thermische Einwirkung ausgelöste Verfärbung oben rechts spricht für sich…

  • Bei Originalen Modulen gibt es kein „Platine auf Platine“-Design
  • Originalmodule besitzen mittig 2 runde Löcher. Weiter unten ein größeres, dort greift eine Erhebung der Gehäuserückseite ein und dort befindet sich auch das Loch für die Schraube. Das kleinere Loch ist für einen kleinen Kodierstift auf der Gehäuserückwand und bei Fälschungen oft nicht vorhanden

    Zwei Platinen von Tetris. Naturgemäß unterscheiden sich kleinere Details wie Produktionsdaten von den Chips oder die verwendete Belichtungsmaske. Bei dem linken Modul scheint der Fokus beim Belichten der Platine nicht ganz gestimmt zu haben, das beeinträchtigt die Funktion allerdings nicht.

Game Boy Hybrid Spiele

Hybrid-Spiele sind eigentlich weiterhin ganz normale, klassische Game Boy Spiele, die aber für den zu der Zeit schon erschienenen Game Boy Color ggf. Extra-Features bieten. Im einfachsten Fall war das einfach eine an das Spiel angepasste Farbpalette, damit das Spiel auf dem GBC bunt ist und damit besser aussieht, im Extremfall wie bei „The Legend of Zelda – Link’s Awakening DX“ sogar zusätzlicher Content. Dort gab es einen zusätzlichen Dungeon, den man nur nach Lösen eines Farbrätsels betreten konnte. Manche Spiele, wie jene, die das Suffix „DX“ (für Deluxe) im Namen tragen, wie besagtes Zelda, Tetris, R-Type und noch einige mehr, sind primär Remakes von Spielen, die sich gut verkauft haben. Andere waren halt zu der Zeit grade neu, wie z.B. das „Pokémon Trading Card Game„. Hybrid Spiele haben im Verhältnis zu anderen Spielen relativ oft in irgendeiner Art und Weise Unterstützung für den Super GameBoy oder auch für den Game Boy Printer mit an Bord, welcher zu der Zeit (1998/99) ebenfalls neu war, und sonst nur mit der Gameboy Camera genutzt werden konnte. Hybridspiele können in allen Game Boy Systemen benutzt werden, beim Game Boy Classic/Pocket dann aber halt ohne Farbe in Monochrom und ggf. ohne die Zusatzinhalte für den Color.

Das Label

Alles was für die Classic-GameBoy-Games gilt, gilt auch für die Hybrid-Module, mit Ausnahme des Feature-Badges, das gab es zu der Zeit soweit ich weiß schon nicht mehr. Alles beim Alten also.

Das Cartridge-Gehäuse

Typisch für Hybridspiele (außer bei Pokémon-Spielen) ist, dass sie ein schwarzes statt einem graues Gehäuse haben. sonst gibt es keine Unterschiede.

Hybrid-Modul in Schwarz (Pokémon Trading Card Game, deutsche Version)

Die Platine

Auch hier, alles wie gehabt.

Game Boy Color Spiele

Nach einer Übergangsphase mit Hybrid-Modulen gab es „Only for Game Boy Color„-Module in einem anderem Design. Diese Module funktionieren Aufgrund der nicht mehr im Gehäuse ausgenommenen Ecke für den Power-Schalter des Original-Game Boys nich mehr in ebenjenem. Selbst wenn man die Ecke am Game Boy entfernen würde, erscheint nur eine Fehlermeldung. Durch die sehr viel komplexere Gehäuseform im Gegensatz zu GB-Classic-Modulen und vor allem weil man die Platine von außen sehen kann, gibt es für diesen Modultyp im Verhältnis eher wenig Fälschungen, denn diese fallen vor allen Dingen durch schlampig designte und verarbeitete Platinen auf, welche nur durch undurchsichtige Gehäuse kaschierbar sind.

Das Cartridge-Gehäuse

Die Gehäuse sind nun dünner, die konkave Griffmulde weicht einem konvexem Gegenstück mit der eingeprägten Aufschrift „Game Boy Color“ und zwei gebogenen, erhabenen Stegen.

Neue Griffmulde, diesmal konvex und durchsichtig wie der Rest des Gehäuses.

Die Platine des Spiels ist nun von außen durch das nun transparente Gehäuse sichtbar. Überhaupt ist das Gehäuse nun viel weniger kantig und hat fast ausschließlich sehr runde Ecken. Das Gehäuse ist nach wie vor von der Oberfläche her texturiert und benutzt den selben Typ Schraube wie GB-Classic und Hybrid-Spiele.

Rückseitiges Gehäuseteil eines GBC-Spiels

Auf der Rückseite gibt es neben der Spritzgußmulde und der Schraube noch ein Textfeld mit Copyrightinformationen, Nintendo-Logo und Modellnummer des Gehäuseteils (meist „MODEL NO. CGB-002“ sowie den Text „PAT. PEND. MADE IN JAPAN„).

2 GBC-Spiele im Vergleich, links eines mit und rechts eines ohne Batterieunterstützung. Gut zu erkennen ist die Batterie und die Unterschiedliche Platinengröße auch durch das Gehäuse hindurch.

Das Label

Auch hier gilt eigentlich fast alles, was für die Classic und Hybrid-Module auch gilt. Was es nach wie vor nicht mehr gibt, ist das Feature-Badge. Darüber hinaus scheint das „Seal of Quality“ nun optional zu sein. während man es auf den meisten Spielen noch findet, gibt es bei GBC-Modulen einige, wo es fehlt, z.B. „Supreme Snowboarding“, „Carmageddon“ und „Knockout Kings“. Vielleicht sind die Spiele aber auch einfach nur zu schlecht für das Siegel, wer weiß das schon. Auf einigen wenigen GBA spielen wie „Top Gear Rally“ fehlt das Logo auch.

ONLY FOR GAME BOY COLOR, aber ohne Qualitätssiegel. Trotzdem ein Originalmodul.

Außerdem nur bei GBC-Modulen:

  • „Only for Game Boy Color“-Ecke – Die untere, rechte Ecke ist dann ein entsprechender dreieckiger, grafischer Hinweis darauf, dass das Modul nur exklusiv mit dem GBC (und neuer) zu verwenden ist

Die Platine

Wie zu erwarten gibt es hier keine Großen Unterschiede zu den Vorgängern, außer, dass man die Platinen nun auch begutachten kann ohne das Spiel aufzuschrauben. Ein klarer Bonus, denn diese Blöße geben sich die Fälschungen meist nicht. Dort werden lieber die alten Gehäuse weiterbenutzt, was es einfacher macht, Fälschungen auf den ersten Blick zu erkennen.

die beiden GBC-Module von oben (Lego Rescue Team und Magical Drop), ohne Gehäuse

und noch mal die beiden Module aus dem Jahr 2000 noch mal von hinten.

Game Boy Advance Spiele

Für den GBA gab es deutlich flachere Module, die in den Vorgängern nicht mehr funktionieren, aber der GBA unterstützt weiterhin alle Game Boy Module, auch wenn er eine andere Prozessorarchitektur benutzt.

Das Cartridge-Gehäuse

GBA-Spiele sind etwa halb so hoch wie normale GB-Module, die übliche Farbe ist dunkelgrau, fast anthrazit. Die Oberfläche ist ebenso wie bei den Vorgängern mit einer Textur versehen. Auf der Vorderseite befindet sich der Schriftzug „GAME BOY ADVANCE“ unter einer geschwungenen Griffkante. Bei allen diesen Details wird bei Fälschungen häufig gepatzt. Am häufgsten beim Schriftzug. Dieser ist bei Fälschungen oft „zu rund“ an den harten Kanten, grade bei dem Wort ADVANCE, außerdem ist beim Original die Schrift weniger stark verprägt, und damit die Schrift weniger erhaben als bei den meisten Fakes. Bei älteren Fakes sind die Ausläufer der geschwungenen Kante manchmal hart abgesetzt und begrenzt.

GBA-Modul, Oben: Original. Unten: Fälschung

Auf der Rückseite befindet sich wie bei GBC-Modulen eine Prägung mit Schrift, sie enthält das Nintendo-Logo mit Copyright-Symbol, die Modellnummer des Gehäuserückteils (oft „MODEL NO. AGB-002„) sowie den Text „PAT. PEND. MADE IN JAPAN„. Darüber befindet sich eine Tri-Wing-Schraube (die zweite form der Nintendo-Sonderschrauben, dazu später mehr) und darunter die Spritzgußmulde. Der Text bei Fälschungen weißt häufig die falsche Schriftart (besonders beim Nintendo-Logo) sowie oft Rechtschreibfehler („Nintondo„) auf.

GBA-Modul, Rückseite
Oben: Fälschung. Unten: Original

Die Mulde sieht ggf. anders aus als beim Original (meist kleiner) und als Schraube wird bei Fälschungen häufig, aber nicht immer eine normale Kreuzschraube verwendet. Teilweise wird die Kreuzschraube mit einem Hologramm-Sticker überklebt, welcher bei Originalspielen nicht zu finden ist, um die falsche Schraube zu kaschieren.

Detailansicht. das „i“ vom Nintendo-Logo ist falsch, ausserdem wurde die Kreuzschraube mit einem Hologrammsticker überklebt. Beim Restlichen Text fehlen ein paar Leerzeichen

Die Gehäusehälften sind bei Fakes fast immer nicht zu 100 Prozent passend, und durch den Kunststoffsteg, der die Innereien des Moduls verdeckt, kann man manchmal dicke Tropfen von Lötzinn erkennen.

Blick von unten in das Modul. Man erkennt Lötzinn-Klumpen, welche vom Batteriehalter kommen. Originale sehen anders aus.

Das Label

Viele bereits aufgezählte Details gelten weitehin, wie die ganzen Logos (außer Feature Badge), der Fabrikstempel, etc. Da die Cover nun kleiner sind, fallen die seitlichen Borden weg, die Modul-ID trägt nun „AGB“ (Advance GameBoy) statt „DMG“ als Systemcode. Diese steht nun direkt auf dem Cover, meist unten mittig oder unten rechts. Ob die Schrift davon Schwarz oder Weiß ist, mit oder ohne Umrandung, hängt vom Coverbild ab (Kontrast und Lesbarkeit). Neu ist (zumindest für EU-Module) eine Produktkennzeichnung, und zwar das CE-Logo.

ID eines originalen „Pokémon Rubin“-Moduls mit CE-Kennzeichnung

ID von „Final Fantasy Tactics Advance“

Die Platine

Weiter gehts mit der Platinenbeschriftung. Bei GBA-Spielen kann man Teile davon schon im ungeöffneten Zustand erkennen, wenn man von unten in das Modul schaut. Dieser kann z.B. den Text „©2001 Nintendo AGB-E02-20“ enthalten, also das Jahr (vom Platinendesign, nicht notwendigerweise vom Spiel), Nintendo Schriftzug und „Teilenummer“ der Platine.

Der Schriftzug ist vorhanden. Trotzdem leider eine (sehr gut gemachte) Fälschung. Zu diesem speziellen Fall kommen wir später noch. Dennoch: So sollte es aussehen…

Grundsätzlich gilt natürlich alles was für Classic-GameBoy-Spiele auch gilt, auch wenn GBA-Module eine deutlich höhere Packdichte der Komponenten haben. Fälschungen gehen hier oft den Weg, mehrere Platinen zu „sandwichen“. Sowas sieht man zwar grundsätzlich schon mal auf Platinen (z.B. bei Funkmodulen wie Bluetooth, die fertig auf solchen Kleinstplatinen angeliefert werden), aber sicher nicht bei GameBoy-Modulen. Für die Fakes dürfte man diesen Weg gehen, weil sich die Module so einfacher mit Software flashen lassen.

Variante 1: gestapelte Platinen, kein Schriftzug, vergossener Chip, rostende Batteriehalter und ja, das unter der Batterie ist ein Stück Papier als „Kurzschlusssicherung“. Zweifelsfrei eine Fälschung; von der schlampigen Verarbeitung mal abgesehen.

Variante 1: Rückseite. Hier dürften sich auch beim GBA keine Bauteile befinden.

Variante 2: Etwas anderes Design, aber im Grunde das gleiche in Grün. Die Durchkontaktierungs-Löcher gehen fast bis an die Platinenkante an den Kontaktzungen.

Variante 2: …und auch hierzu die passende Rückseite. diesmal zumindest ohne Bauteile, aber auch hier müsste der untere Bereich frei von Leiterbahnen sein.

So zum Beispiel sieht eine Originalplatine eines GBA-Moduls aus.

Pokémon Spiele

…oder besser: Pokémon Spiele der Hauptreihe. Warum das schon eine eigene Kategorie für sich darstellt? Nun, die Pokémon-Spiele sind seit der ersten Generation von 1998/1999 Kassenschlager sondergleichen, und mit Abstand beliebtestes Ziel für Raubkopien überhaupt. Nintendo scheint sowas geahnt zu haben, und hat deshalb (okay, vermutlich nicht nur deshalb…) die Pokémon-Spiele immer etwas „Besonders“ gemacht; sie sind z.B. vom Gehäuse her in ihrer namensgebenden Editionsfarbe gehalten (z.B. Rot oder Blau) und haben bei vielen Editionen stark reflektierende Folie als Basis für das Cover-Label um Fälschungen zu erschweren. Darüber hinaus sind die Spiele zumindest für die ersten vier Generationen immer nach dem gleiche Schema erschienen. Erst als „Paar“ , also z.B. Rot & Blau, dann eine überarbeitete Version davon mit kleinen Änderungen und weniger Bugs, z.B Gelb, und dann, Jahre später ein Remake einer früheren Generation mit etwas geändertem Namen für die dann zu der Zeit aktuelle Handheld-Konsole, z.B. Feuerrot & Blattgrün… rückblickend betrachtet ein Verkaufstrick der seines gleichen sucht. Aber zunächst: Um welche Spiele handelt es sich hier genau? Der Vollständigkeit und Übersichtlichkeit halber liste ich auch die Spiele für den Nintendo DS/3DS mit auf:

  • Generation 1:
    • Rot & Blau (GB)
    • Gelb/Special Pikachu Edition (Zusatzedition zu Blau/Rot, GB)
  • Generation 2:
    • Gold & Silber (GBC-Hybrid)
    • Kristall (Zusatzedition zu Gold/Silber, GBC)
  • Generation 3:
    • Rubin & Saphir (GBA)
    • Smaragd (Zusatzedition zu Rubin/Saphir, GBA)
    • Feuerrot & Blattgrün (Remakes der jap. Gen.1-Spiele Rot & Grün [ausserhalb Japans Rot & Blau], GBA)
  • Generation 4:
    • Diamant & Perl (DS)
    • Platin (Zusatzedition zu Diamant/Perl, DS)
    • HeartGold & SoulSilver (Remakes der Gen.2-Spiele Gold & Silber, DS)
  • Generation 5:
    • Schwarz & Weiss (DS)
    • Schwarz 2 & Weiss 2 (Fortsetzungen zu Schwarz & Weiss, DS)
  • Generation 6:
    • X & Y (3DS)
    • Omega Rubin & Alpha Saphir (Remakes der Gen.3-Spiele Rubin & Saphir)
  • Generation 7:
    • Sonne & Mond (3DS)
    • Ultrasonne & Ultramond (mehr oder weniger Remakes von Sonne & Mond, 3DS)

Das Cartridge-Gehäuse

Uns sollen hier nur die ersten drei Generationen interessieren, also die für die verschiedenen Gameboy-Systeme. Rot, Blau & Gelb sind ganz normale GB-Classic Module, der einzige Unterschied besteht darin, dass das Gehäuse halt Rot, Blau oder Gelb ist. Auch wenn Pokémon Gelb hinterher mit einer Special Edition vom Game Boy Color vermarktet wurde, ist es dennoch ein normales Classic Modul, übrigens das letzte reine GB-Classic-Spiel was ausserhalb von Japan veröffentlicht wurde.

Gelbe Edition

Die 2nd-Generation-Editionen Gold & Silber sind GBC-Hybrid-Spiele, also weiterhin vom Gehäuse her normale GB-Classic-Module in Editionsfarbe (halt Gold oder Silber; in „Metallic“-Optik mit Glitzer), nur dass es nun Zusatzinhalte für den GBC, den Printer oder den SuperGameBoy gibt.

Gehäusefront innen von der goldenen Edition. Es ist Glitzer ins Plastik mit eingebracht. Die „Frässpuren“ sind eigentlich in der Spritzgußform vorhanden und waren so ausgeprägt, dass sie sich ins fertige Teil mit übertragen haben. Das ist nicht weiter ungewöhnlich.

Pokémon Kristall ist das einzige Spiel das als GBC-Modul daherkommt. Die Farbe ist Blau/Türkis mit Glitzereinstreuungen und das Gehäuse ist halb Durchsichtig.

Blau-durchsichtig mit Glitzer. Sowas wird normalerweise zumindest nicht in dieser Form gefälscht. (Pokémon Kristall)

Und noch mal die Kristall-Edition in voller Pracht. Da man die Platine sehen kann, würden Fälschungen in dieser Form schnell auffallen. Auch hier ist das Label Reflektiv.

Alle Spiele der 3ten Generation sind GBA-Spiele in einem normalem GBA-Spielmodul-Gehäuse untergebracht, bis auf die Farbe natürlich. Rubin, Saphir & Smaragd  sind entsprechend halt Rot, Blau oder Grün und das Gehäuse ist Teildurchsichtig.

Rubin-Edition in teilweise Durchsichtig.

…besser zu erkennen auf der passende Rückseite…

Blattgrün & Feuerrot dagegen sind auch Grün, bzw. Rot, aber das Gehäuse ist weitestgehend Opak, also nur ein bisschen, fast gar nicht durchsichtig.

Das Label

Es gelten die normalen Merkmale der jeweils vorliegenden „technischen Generation“ von Modulen. Darüber hinaus:

  • The Pokémon Company„-Schriftzug auf Pokémon Spielen ab dem GBA

    Company-Schriftzug auf der Rubin-Edition (GBA)

  • „Glitzer“ – Die Pokemon-Spiele haben in vielen Versionen Cover, die „glitzern“ oder eine sonstwie reflektive Folie als Cover. Diese wird oft nur sehr schlecht oder erst gar nicht gefälscht, da sie beim Einscannen oder Abfotografieren mit Blitz in allen Regenbogenfarben schillert oder überstrahlt. Das sieht sehr ähnlich aus wie glitzernde Karten bei einem Trading Card Game (wie halt z.B. beim Pokémon TCG oder auch Magic – The Gathering)

    Gold und Silber. Gut zu erkennen ist das stark reflektierende Label.

Die Platine

Neben der Besonderheit, dass alle Pokémonspiele Speicherstände benutzen, und daher immer eine Batterie mitbringen, gibt es nichts weiter zu beachten. Die GBA-Versionen benutzen die Batterie zwar nicht mehr für die Spielstände, sondern haben nicht-flüchtigen Speicher dafür, aber ab Gold/Silber gibt es zeitbasierte Events, und die Batterie dient zur Versorgung der Echtzeituhr, ähnlich wie beim BIOS auf dem Mainboard beim Computer.

Platine von Pokémon Gold, Vorderseite.

…und Rückseite…

Rumble-Pak-Spiele, Gameboy Camera und Sonstiges

Das Cartridge-Gehäuse

Bei Cartridges mit Rumble-Pak oder der GameBoy Camera (und auch dem Printer) ist die Sache schnell erklärt: Ich wüsste nicht, dass es davon Fälschungen gibt. Zum einen ist die Gehäuseform durch die entsprechenden Zusatzfunktionalitäten halt sehr speziell und zum zweiten gab es bei erscheinen der GameBoy Camera keine billigen Digitalkamera-Module, da die GBCam quasi das Consumer-Digitalkamera-Zeitalter mit eingeläutet hat, und technisch sehr weit vorne war zu der Zeit. Die Game Boy Camera gibt es in Rot, Blau, Grün und Gelb (und später in Japan noch in einer Variante in Halbdurchsichtig-Lila sowie in einer limited Zelda-Edition in Gold in den USA). Das Modul ist länger und oben dicker als ein normales Modul, aber technisch ein ganz normales GB-Classic-Modul, wird aber weithin als Peripheriegerät für den Game Boy geführt (wie der Printer) und nicht als Spielmodul, und taucht deshalb auch nicht in gängigen Spielelisten auf. An der Oberseite befindet sich ein um 180° drehbarer runder Kamerakopf. Auch wenn in Werbespots z.T. die Funktionalitäten im Zusammenhang mit dem Game Boy Color herausgestellt wurden, ist die Camera ein normales Classic-Modul. Eine ganz gute Übersicht von Modulen mit „Spezialfunktionalität“ gibt es in diesem Forenthread hier, wenn auch nicht vollständig. Ansonsten bieten die Listen aus der englischen Wikipedia eine recht vollständige Übersicht über Gameboy-Spiele, GBC-Spiele und GBA-Spiele.

Rumblepak-Modul und die Gameboy Camera. Zwei der bekanntesten Vertreter für Module in Spezialbauform

Rumble-Pak Spiele gibt es eine Hand voll, aber nicht viele. Eine wirklich komplette Liste habe ich nicht gefunden, aber was es auf jeden Fall gibt ist folgendes:

  • WarioWare: Twisted! (GBA, überall außer in der EU erschienen)
  • Drill Dozer (GBA, Nur in Japan erschienen)

Die anderen Module sind GBC-Hybrid-Spiele und haben je das gleiche Gehäuse:

  • Pokémon Pinball
  • Top Gear Rally bzw. Top Gear Pocket (durchsichtiges Gehäuse)
  • 10-Pin Bowling
  • Perfect Dark (durchsichtiges Gehäuse)
  • 3D Ultra Pinball Thrill Ride (durchsichtiges Gehäuse)
  • Ready 2 Rumble Boxing (durchsichtiges Gehäuse)
  • Star Wars Episode I Racer (durchsichtiges Gehäuse)
  • …und noch ein paar mehr, die z.T. in Vergessenheit geraten sind…

Die Hybrid-Spiele haben ein extra Fach für eine AAA-Batterie um den Rumble-Motor zu betreiben, deswegen sind die Module auch länger als „normale“ Module. Die Module, die nicht durchsichtig sind, kommen in dunkelgrau, in etwa wie die GBA-Spiele.

Das Label

  • Da die GBCam eher ein technisches Gerät als ein Spiel ist, gibt es auf dem Label auch Konformitätslogos der jeweiligen Jurisdiktion statt ein klassisches Coverbild.

    GB-Camera „Typenschild“, deutsche Version

  • Die restlichen Spiele haben aus Platzmangel ein sehr runterreduziertes Cover, vor allem fehlen diverse Logos, aber wie schon erwähnt gibt es bei diesen Sonderformen eh quasi keine Knock-Offs

Schrauben

Nintendo verwendet seit den 80ern zwei Typen von Spezialschrauben für von außen zugängliche Schrauben in Konsolen wie in Spielmodulen sowie bei dessen Zubehör.

Links: Tri-WIng, Rechts: Sternschraube

Der erste Typ sieht sehr wie TORX aus, nur invertiert und gibt es in zwei Größen; fast schon wie ein kleines Zahnrad. Diese Schrauben kommen bei Cartridges von GB, GBC und Hybrid-Spielen zum Einsatz. Ausserdem bei Modulen von NES, SNES und N64 Spielen sowie bei der Gamecube-Konsole und Anderen. Soweit ich weiß nennt man diesen Typ gerne „Sternschraube„.

Links: Rumble-Modul mit Sternschraube.
Rechts: GameBoy Camera mit Tri-Wing

Der zweite Typ nennt sich „Tri-Wing“ und ist im Grunde wie eine Kreuz-Schraube, nur halt mit drei Ausläufern statt vier. GBA-Spielmodule sowie vor allem die Gameboy-Konsolen selber (z.B. GBC und GBA) verwenden diesen Schraubentyp, aber auch Zubehör wie der Gameboy Printer oder das alte 4-Spieler-Link-Kabel. Wie erwähnt gilt das vor allem für Schrauben, die von außen zugänglich sind, bei innenliegenden Schrauben werden oft trotzdem Kreuzschrauben verwendet.

Peripherie mit Tri-Wing-Schrauben.
links: Gameboy Printer. Rechts: GameBoy Color

Hauptzweck ist natürlich ein Öffnen von Cartridges oder Konsolen durch die Kunden zu verhindern. Für mich als Bastler ist das primär nervig, aber zum Glück gibt es unterdessen für knapp 5€ auf Amazon oder eBay ein Set mit Tri-Wing Schraubendreher und zwei Bits für die Invertierten TORX Schrauben. Einfach nach Nintendo Security Bit suchen, dann wird man schnell fündig.

Basiswerkzeug

Andererseits ist das für mich als Bastler aber auch wieder vorteilhaft, denn unterm Strich kann man sagen, dass fast alle Cartridges oder Konsolen von Nintendo, die da draußen im Umlauf sind, noch nie aufgeschraubt wurden, was den Kauf von Gebrauchtware in meinen Augen deutlich weniger zu einem Glücksspiel macht. Wenn der Gameboy noch nie offen war, kann eigentlich nur Feuchtigkeit, auslaufende Flüssigkeiten und ausgelaufene Batterien einem Gameboy was anhaben, weniger jedoch z.B. missglückte Reparaturversuche durch komplett Unkundige oder „Modding“. In der Regel schraubt das Zeug halt keiner mangels Werkzeug auf.

GBA-Wireless Adapter

Exemplarisch: Eine sehr gut gemachte Fälschung

Ich hatte mir vor einer Weile bei eBay ein Exemplar von „The Legend of Zelda – A Link to the Past / Four Swords“ zugelegt. Obwohl eigentlich alles soweit stimmte, kam mir das Modul doch irgendwie komisch vor, und ich habe zwar unterdessen ein recht trainiertes Auge für Fälschungen, aber hier war ich auch erst nach dem Aufschrauben sicher, dass ich hier eine Fälschung in Händen hatte. Ärgerlich, aber zum Glück beim Händler gekauft. Der antwortete allerdings auf Anfragen lieber nur mit automatisierten Mails, also ging das Modul zurück. Bemerkenswert gut gemacht ist es dennoch, von daher will ich eine gute Fälschung an diesem Beispiel einmal exemplarisch durchexerzieren.  Vorderseite: Soweit gut; das Gehäuse, vor allem die Prägung und die Textur sehen sehr gut aus, Logos und ID Stimmen, alles ist an der richtigen Stelle. Einzig die Ecken des Labels sind etwas zu „rund“ und es ist nicht ganz mittig aufgeklebt. Nur beim direkten Vergleich fällt auf, dass die Farbe des Labels nicht ganz stimmt, das Original ist etwas „goldener“. Was aber fehlt, ist der Fabrikstempel.Rückseite: Soweit auch alles ok. Die Prägung stimmt, die Spritzgußmulde ist nicht nur Zierde und die Schraube ist auch ok (zumindest der Kopf. Beim Rausschrauben stellte sich heraus, dass die Schraube zu kurz und spitz zulaufend statt konisch war.).

Links: Fälschung. Rechts: Original.

Blick von Unten. Auch hier ist alles Korrekt. Normalerweise wird hier spätestend der Schriftzug vergeigt, selbst wenn vorhanden, aber hier sieht alles Korrekt aus. Wenn man wirklich minutiös vergleicht, stellt man fest, dass dieses Modul eigentlich die Platine mit der Nummer „AGB-E03-20“ statt wie hier angegeben „AGB-E05-02“ verwendet, aber da es halt mehrere Typen Platinen gibt, wäre das nicht weiter als Ungewöhnlich aufgefallen.

Beim Blick aufs PCB siehts allerdings schon anders aus. der Linke Chip ist in BGA-Bauform, genau wie der vergossene Chip in der Mitte auch. daneben ist sogar noch ein zweiter, unbestückter Platz für einen BGA-Chip. darüber noch ein Bauteil, bei dem nicht alles an Flux nach dem Löten entfernt wurde. Aber an voreilende Kontakte wurde gedacht, also zumindest erstmal keine direkte Gefahr das Modul zu benutzen (welches übrigens absolut normal funktioniert).

Die Rückseite ist soweit unspektakulär. Beim Originalmodul wäre wieder der untere Teil nicht mit Leiterbahnen befüllt, das wars aber auch schon.

Man muss ganz klar sagen, dass man bei dieser Fälschung ohne Aufschrauben quasi keine Chance hat zu sehen ob es sich hier um eine Fälschung handelt. Einziger wirklicher Indikator von Außen wäre der Fabrikstempel. Selbst beim durchsichtigen Gehäuse würde das glatt so durchgehen, denn die Platine ist lange nicht so schlampig verarbeitet wie von Fakes gewohnt. Es lohnt sich also immer, die Augen offen und den Schraubenzieher bereit zu halten.

Alle Bilder – in voller Auflösung natürlich – habe ich noch mal in meiner Gallery hochgeladen zum ansehen. Wie dieser Artikel selbst natürlich mit Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-SA 4.0).

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